Beziehung zum Kind: Wir freuen uns auf unser drittes

Mit großer Vorfreude erwarten wir diese Tage unser drittes Kind. Dadurch sind meine Gedanken vermehrt bei Kindern und was sie mit unserem Leben machen. Gleichzeitig beschäftigt mich, wie wir dieses Kinderglück auch über die ersten Jahre hinaus behalten und die Beziehung zum Kind nicht in einer zunehmenden Entfremdung endet.

Für uns ist jedes Kind ein Geschenk Gottes. Wir empfinden das sehr stark, da wir sieben Jahre kein Kind bekommen haben und wir gelernt hatten, dafür zu beten und alleine auf Gott zu hoffen. Inzwischen haben wir ein paar körperliche Zusammenhänge verstanden und ahnen, warum wir zuerst keine Kinder bekommen haben. Aber dennoch sind alle unsere Kinder plötzlich und unerwartet, aber erhofft und erbetet in unser Leben getreten.

Kinder zu haben, ist eine wunderbare Sache. Diese Woche hat mir ein alter Mann, der viele Jahre in einem rumänischen Gefängnis gesessen hat, die Abschiedsworte seines Zellengenossen erzählt. Dieser Zellengenosse war ein jüdischer Rabbi, der stark unter Depressionen in dieser Zeit litt. Als der Rabbi also entlassen wurde, umarmte er meinen Gesprächspartner und sagte:

Habe viele Kinder, denn die Kinder sind das Glück des Lebens!

Jüdischer Rabbi

Das waren die Dankesworte dafür, dass mein Gesprächspartner ihn oft aufgemuntert hatte. Warum sagte er genau das? Wir Deutschen tun uns schwer, so etwas zu verstehen. Aber lasst uns einfach mal den Blick in die sogenannten Entwicklungsländer richten. Dort würden sie den Satz sofort verstehen. Dort, wo der Wohlstand die Menschen nicht übersättigt und abstumpft, sind die Kinder das größte Glück des Lebens. Man kann das auch daran sehen, was passiert, wenn man mit einem kleinen Kind oder Baby in ein Altenheim geht. So sehr die Menschen dort oft vor sich hinvegetieren: Ein kleines Kind bringt Leben in sie hinein.

Siehe, Kinder sind eine Gabe JHWHs, die Leibesfrucht ist eine Belohnung.

Psalm 127:3

Meine Frau und ich dürfen diese Worte jeden Tag in unserem Leben erfahren. Natürlich machen Kinder auch Mühe. Jedoch gibt es kaum etwas so wundervolles, wie sie heranwachsen zu sehen. Ja selbst die Konflikte mit ihnen sind letztlich zum Guten, weil sie uns nur allzu oft ein Spiegelbild für unsere eigenen Korrektur benötigenden Charaktereigenschaften sind. Und so lehrt uns unser Schöpfer durch unsere Kinder ganz viel über ein gutes Leben. Wir sehen oft mit eigenen Augen an ihnen, wie destruktiv Undankbarkeit, Eigenwillen und Hochmut sind. Deswegen jagen wir selbst nun noch mehr nach Dankbarkeit, Selbstverleugnung und Demut. Und auch das können wir dann wiederum im Umgang mit unseren Kindern üben.

Aber Kinder sind noch so viel mehr. In einer Gesellschaft, wo sich jeder selbst der nächste ist, können wir mit unseren Kindern intensive und enge Beziehungen aufbauen. Wir können eine Gemeinschaft mit einem anderen Menschen in einer Qualität und Nähe haben, die sonst kaum auf dieser Erde zu finden ist. Deswegen setzen wir gerade in den ersten Lebensjahren unsere Kraft, Zeit und Aufmerksamkeit in den Aufbau einer solchen Beziehung. Ich glaube nicht daran, dass Distanzierung und Rebellion zwischen Eltern und Kindern zu einer normalen Entwicklung nötig sind.

Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft Elias, um die Herzen der Väter umzuwenden zu den Kindern und die Ungehorsamen zur Gesinnung der Gerechten, um dem Herrn ein zugerüstetes Volk zu bereiten.

Lukas 1:17

Johannes der Täufer sollte die Herzen der Väter zu den Kindern umwenden. Das sollte als Grundlage dafür dienen, dass die Menschen bereit für den Messias sind. Meine Wahrnehmung ist, dass heute oft davon gesprochen wird, wie sich die Kinder von den Eltern distanzieren und das das große Problem sei. Je länger ich jedoch darüber nachsinne und auch das obige Zitat bedenke, komme ich zu dem Schluss, dass es vielmehr das Desinteresse und die Selbstliebe von uns Eltern ist, die unsere Kinder von uns wegtreibt. Kinder sehnen sich nach einer engen Beziehung zu den Eltern. Wie treiben wir sie von uns weg?

Ich habe in meiner eigenen Seele erfahren, wie sehr ich mein Herz noch meinen Kindern zuwenden will und muss. Und ja, das bedeutet Selbstverleugnung. Das bedeutet auch, dass ich meine Kinder nicht mehr erziehe, damit ich es angenehm habe, sondern damit es ihnen zum Guten hilft. Wenn die Kinder es erleben, dass die Eltern sich nicht selbst suchen, dann suchen auch sie sich nicht so sehr selbst und die Beziehung kann wachsen.

Wer also Schwierigkeiten mit seinem Kind hat und merkt, dass die Beziehung gestört ist, der wende als erstes sein eigenes Herz dem Kind zu und versuche dann, das Herz seines Kindes zurückzugewinnen.

Und vor allem braucht es eine dankbare und positive Grundhaltung gegenüber den Kindern. Sind sie für Dich störend oder ein Geschenk Gottes? Diese positive Grundhaltung fängt dabei an, ob ich entscheide, wann ein Kind in mein Leben kommen darf oder ob ich es dem Schenker überlasse. Wenn ein Kind für mich ein Baustein in meinem Traumleben ist und ich ein Kind haben will, um mich gut zu fühlen und mein kleines persönliches Paradies zu erschaffen, dann werde ich enttäuscht werden. Gott gibt uns Kinder für viel mehr als unsere persönliche kleine Freude. Letztlich ist jedes Kind ein Hinweis auf Ihn, den Schöpfer des Lebens. Diesen Hinweis zu begreifen, macht gesunde Beziehungen zu unseren Kindern erst möglich.

Mit dem dritten Kind haben wir schon viel mehr von diesem Hinweis Gottes erkannt und das ist der Grund , so denke ich, warum unsere Freude noch größer ist als bei den ersten beiden und unsere Beziehung zum Kind schon vor der Geburt angefangen hat.

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