Unser volles Leben

Meine Frau und ich haben immer viel zu tun. Und falls es so aussieht, dass da etwas Zeit ist, habe ich sicherlich eine neue Idee ( – vor diesen Momenten fürchtet sich meine Frau). Und wenn ich mich so umblicke, habe ich den Eindruck, dass es vielen anderen genauso geht. Das Leben ist voll und es gibt immer etwas zu tun. Gibt es überhaupt noch Momente, in denen man sich nicht um sich selbst und seine Aufgaben, Bedürfnisse und Probleme dreht? Ist es uns noch möglich uns ganz mit jemandem anders zu beschäftigen?

In den letzten Wochen hat Gott mir immer wieder vor Augen gestellt, wie sehr mein Leben davon voll ist, mein Leben zu organisieren. So vieles machen wir, damit wir dann einmal in Zukunft weniger tun müssen. Aber komme ich jemals an den Punkt, wo ich weniger tue?

Unsere westliche Welt ist voll von Angeboten, Möglichkeiten und Zerstreuung. Mir wird immer deutlicher, dass ich mich bewusst diesem Wind entgegenstellen muss, dauerbeschäftigt zu sein. Besonders als Unternehmer fällt einem immer etwas ein, was man noch tun könnte. Aber auch als Hausbesitzer lässt sich leicht etwas finden, was man reparieren oder verbessern sollte.

Folgendes haben wir als Familie vor ein paar Wochen gelesen:

Es begab sich aber, als sie weiterreisten, daß er in ein gewisses Dorf kam; und eine Frau namens Martha nahm ihn auf in ihr Haus. Und diese hatte eine Schwester, welche Maria hieß; die setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seinem Wort zu. Martha aber machte sich viel zu schaffen mit der Bedienung. Und sie trat herzu und sprach: Herr, kümmerst du dich nicht darum, daß mich meine Schwester allein dienen läßt? Sage ihr doch, daß sie mir hilft! Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du machst dir Sorge und Unruhe um vieles; eines aber ist not. Maria aber hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden!

Die Bibel: Lukas 10:38-42

Die Frau namens Martha macht hier aus meiner Sicht doch eigentlich alles richtig. Sie hat Gäste im Haus und kümmert sich um diese. Sie möchte nicht, dass ein Gast durstig oder hungrig ist. Außerdem soll jeder bequem sitzen und es möglichst angenehm haben. Vielleicht freuen sich die Gäste ja noch über einen Nachtisch? Dann macht sie noch schnell einen. Martha macht also alles, was wir heute auch machen würden, wenn wir gute Gastgeber sein wollen.

Wie kann man ein solches Verhalten kritisieren?

Wir können das nur anfangen zu begreifen, wenn wir auch zu verstehen beginnen, was folgende Aufforderung von uns will:

Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? oder: Was werden wir trinken? oder: Womit werden wir uns kleiden? Denn nach allen diesen Dingen trachten die Heiden, aber euer himmlischer Vater weiß, daß ihr das alles benötigt.Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden!

Die Bibel: Matthäus 6:31-33

Mein Trachten nach dem Reich Gottes soll soweit vorne stehen, dass sogar die täglich notwendigen Dinge, wie z.B. Essen, Trinken und Kleidung in den Hintergrund rücken. Wer lernt, sein ganzes Vertrauen auf Gott zu richten, der wird innerlich frei von Sorgen werden, die heute sein Leben bestimmen.

Was sind die praktischen Konsequenzen für unser volles Leben?

Und obwohl wir in einer der reichsten Regionen der Welt leben, erscheint uns ein solches Vertrauen zu krass. „Man muss doch auch noch seinen Verstand benutzen!?“

Doch wenn ich in meinem Herzen wirklich Gott glaube, warum kann ich mich dann nicht auf Seine Versprechen verlassen?

Wir sollen nüchtern sein, das steht außer Frage. Aber nüchtern zu sein, bedeutet auch, die Versprechen Gottes ernst zu nehmen und in das eigene Leben zu integrieren.

Kommen wir zurück zu Martha. In diesem Moment war es ihr wichtiger, ein guter Gastgeber zu sein, als in Ruhe dem Herrn Jesus zuzuhören. Und so kenne ich das auch in meinem vollen Leben.

„Jetzt muss ich nur noch dies oder jenes fertig machen, dann habe ich Zeit für wichtigere Dinge, wie zum Beispiel meine Mitmenschen oder das Hören auf Gottes Wort.“

Doch die Realität ist, dass immer etwas fertig werden muss, bevor ich Zeit habe. Deswegen ist die praktische Konsequenz, dass ich mich zuerst um meine Mitmenschen kümmere, also zuerst nach dem Reich Gottes trachte, und dann meine Dinge „fertig“ mache. Danach möchten wir nun streben.

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